Katastrophen und schwere Krisen lassen sich nicht immer verhindern. Wie stark sie unseren Alltag beeinträchtigen, können wir durch rechtzeitige Vorbereitung jedoch wesentlich beeinflussen. Anlässlich des heutigen Internationalen Tages der Katastrophenvorbeugung ruft der Niederösterreichische Zivilschutzverband dazu auf, die eigene Vorsorge zu überprüfen und gemeinsam mit der Familie konkrete Vorbereitungen zu treffen. Neben Naturgefahren und technischen Störungen verdienen auch digitale Bedrohungen besondere Aufmerksamkeit: Cyberangriffe können Einrichtungen treffen, von deren Funktionieren die Versorgung der Bevölkerung abhängt.
Der jährlich am 13. Oktober begangene Aktionstag der Vereinten Nationen steht 2026 unter dem Motto „Resilience Starts at Home“ – Widerstandsfähigkeit beginnt zu Hause. Im Mittelpunkt stehen sichere, widerstandsfähige Wohnverhältnisse und die Vorbereitung von Haushalten und Gemeinschaften auf Gefahren. (1) Für den NÖ Zivilschutzverband knüpft dieser Schwerpunkt unmittelbar an seinen Auftrag an: Menschen durch Information, Vorbeugung und praktische Vorsorge dabei zu unterstützen, Krisen besser zu bewältigen.
Digitale Angriffe können Folgen im täglichen Leben haben
Wie relevant das Thema Cyberkriminalität ist, zeigen die österreichischen Zahlen: 2025 wurden insgesamt 63.459 Cybercrime-Delikte angezeigt, um 1,8 Prozent mehr als 2024. Bei Cybercrime im engeren Sinn stieg die Zahl der Anzeigen um 8,6 Prozent auf 21.988 Fälle. Diese Statistik beschreibt unterschiedliche Formen digitaler Kriminalität; sie ist keine gesonderte Erhebung von Angriffen auf Versorgungsanlagen. Sie unterstreicht jedoch die Bedeutung der digitalen Sicherheit.
Für den Bevölkerungsschutz besonders bedeutsam sind Angriffe auf kritische Infrastruktur. Dazu zählen unter anderem Energie- und Wasserversorgung, Gesundheitswesen und Finanzsystem. CERT.at beschreibt, dass solche Einrichtungen international vermehrt im Fokus von Cyberangriffen stehen. Die zunehmende Digitalisierung schafft Abhängigkeiten: Werden wichtige IT- oder Steuerungssysteme beeinträchtigt, können auch betriebliche Abläufe und Versorgungsleistungen gestört werden. Neben finanziell motivierter Erpressung können dabei auch gezielte Sabotage und staatlich unterstützte Angriffe eine Rolle spielen.
Die möglichen Auswirkungen reichen damit über Computer und Datensätze hinaus. Je nach betroffenem System und vorhandenen Schutzmaßnahmen können Strom- oder Wasserversorgung beeinträchtigt werden. Weitere sensible Bereiche sind Telekommunikation, Zahlungsverkehr, Transport und Logistik sowie die medizinische Versorgung. Welche Folgen ein konkreter Angriff hat, hängt von seinem Umfang und der Widerstandsfähigkeit der jeweiligen Einrichtung ab. Für Haushalte bedeutet das: Auch auf zeitweilige Einschränkungen beim Einkaufen, Bezahlen, Kommunizieren oder bei der Versorgung sollte man vorbereitet sein.
Vorsorge ist eine gemeinsame Aufgabe der Familie
Zur Vorbereitung gehört auch ein Familien-Notfallplan. Alle Beteiligten sollten wissen, wo wichtige Vorräte und Hilfsmittel aufbewahrt werden und wie sie sich bei einer Unterbrechung von Stromversorgung oder Kommunikation verhalten. Dazu zählen vereinbarte Treffpunkte, Zuständigkeiten für Kinder und die Unterstützung hilfsbedürftiger Angehöriger. Auch Kinder sollen altersgerecht in die Planung einbezogen werden. Ein gemeinsam besprochener Plan hilft, Unsicherheit zu verringern und im Ernstfall abgestimmt zu handeln.
Digitale Vorsorge ergänzt diese Vorbereitung. Aktuelle Programme und Betriebssysteme, unterschiedliche starke Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung und ein kritischer Umgang mit unerwarteten Nachrichten und Links können das persönliche Risiko reduzieren.
Vorsorge lernen im Ausbildungszentrum Zivilschutz in Tulln
Wissen und praktische Fähigkeiten sind wesentliche Grundlagen für richtiges Handeln in Krisensituationen. Im Ausbildungszentrum Zivilschutz in der Landesgeschäftsstelle des Niederösterreichischen Zivilschutzverbandes in Tulln werden dazu Kurse und Workshops zu zahlreichen Vorsorgethemen angeboten. Das Angebot reicht von Selbstschutzlehrgängen und Funktionärslehrgängen bis zu Fachkursen über Blackout, Kernkraftwerksunfälle und Hochwasser.
Die Teilnehmenden lernen, Gefahren besser einzuschätzen, geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen und sich im Ernstfall richtig zu verhalten. Damit unterstützt der NÖ Zivilschutzverband sowohl die persönliche und familiäre Vorbereitung als auch die Arbeit jener Menschen, die den Zivilschutz in den Gemeinden mitgestalten. Die Ausbildung trägt dazu bei, Wissen in konkrete Maßnahmen umzusetzen und Vorsorge dauerhaft im Alltag zu verankern.
Den heutigen Aktionstag für konkrete Vorbereitung nutzen
Der Niederösterreichische Zivilschutzverband nimmt den heutigen Aktionstag zum Anlass, die Bevölkerung zu einem konkreten Schritt aufzurufen: Vorräte kontrollieren, fehlende Ausrüstung ergänzen, den Notfallplan gemeinsam durchgehen und das eigene Wissen über richtiges Verhalten erweitern.
Vorsorge lässt sich schrittweise in den Alltag integrieren. Sie schützt den eigenen Haushalt und stärkt zugleich das Zusammenleben in der Gemeinde. Denn auch wenn sich nicht jede Gefahr verhindern lässt, können gute Vorbereitung und rechtzeitiges Handeln die Auswirkungen auf Menschen und Familien wesentlich mildern.
Informationen, Beratung, Checklisten und Kursangebote:
Niederösterreichischer Zivilschutzverband
Ausbildungszentrum Zivilschutz und Landesgeschäftsstelle
Langenlebarner Straße 106, 3430 Tulln an der Donau
Telefon: +43 2272 61820
E-Mail: noezsv@noezsv.at