ÖGK klärt über Warnzeichen, Früherkennung und moderne Behandlungsmöglichkeiten auf
Typ-1-Diabetes gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Umso wichtiger ist es, erste Anzeichen frühzeitig zu erkennen und richtig zuzuordnen. Denn gerade bei Kindern können sich die Symptome innerhalb weniger Tage oder Wochen entwickeln und bei verspäteter Diagnose zu einer gefährlichen Stoffwechselentgleisung führen.
Ein Blick auf die Insulinversorgung: Aktuelle Zahlen der ÖGK
Aktuelle Daten der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) geben einen Einblick in die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Insulin: Im ersten Halbjahr 2026 wurden österreichweit 9.588 Insuline und Insulinanaloga für insgesamt 1.446 0-14 Jährige auf Kosten der ÖGK abgegeben. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 9.766 Packungen Insuline und Analoga für 1.441 Patient*innen dieser Altersgruppe. Die höchsten absoluten Patient*innenzahlen wurden im ersten Halbjahr 2026 in Wien (318), Oberösterreich (288) und Niederösterreich (258) verzeichnet.
Warnzeichen früh erkennen
Folgende Symptome können auf einen beginnenden Typ-1-Diabetes hindeuten:
- Starker Durst
- Häufiges Wasserlassen
- Erneutes Einnässen
- Gewichtsverlust
- Müdigkeit
Weitere mögliche Anzeichen sind ungewöhnliche Infektionen oder eine rasch auftretende Sehverschlechterung. Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern können die Symptome schwerer zu erkennen sein. Für Eltern gilt: Nicht jedes durstige oder müde Kind hat Diabetes. Treten jedoch neue und ungewöhnliche Beschwerden auf - insbesondere mehrere Warnzeichen gleichzeitig - sollte nicht abgewartet, sondern rasch ärztlich abgeklärt werden.
Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt, kann eine diabetische Ketoazidose entstehen. Dabei gerät der Stoffwechsel durch den Insulinmangel aus dem Gleichgewicht. Die Ketoazidose ist ein lebensbedrohlicher Notfall und muss sofort behandelt werden. Es zeigt sich, dass fast die Hälfte aller Kinder bei der Erstdiagnose bereits eine diabetische Ketoazidose haben.
Ein einfacher Test kann rasch Klarheit schaffen
Besteht aufgrund der Beschwerden der Verdacht auf Diabetes, können eine Blutzuckermessung aus der Fingerkuppe oder ein Urintest schnell wichtige Hinweise liefern. Für die weitere Abklärung sind zusätzliche Untersuchungen, etwa eine Blutabnahme, erforderlich.
„Wenn ein Kind plötzlich ständig durstig ist, häufig auf die Toilette muss, wieder einnässt, Gewicht verliert oder ungewöhnlich müde wirkt, sollten Eltern aufmerksam werden. Besonders wenn mehrere dieser Veränderungen gleichzeitig auftreten, ist eine rasche ärztliche Abklärung wichtig“, erklärt Dr.in Gabriele Berger, Kinderärztin im Gesundheitszentrum Floridsdorf der ÖGK.
Typ-1-Diabetes - eine Autoimmunerkrankung
Typ-1-Diabetes ist die häufigste Form von Diabetes bei Kindern und Jugendlichen in Österreich. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung: Das körpereigene Immunsystem greift jene Zellen der Bauchspeicheldrüse an, die Insulin produzieren.
Typ-1-Diabetes ist keine Folge davon, dass ein Kind zu viel Zucker isst, sich zu wenig bewegt oder ungesund lebt. Warum die Autoimmunreaktion entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Nach heutigem Wissen wirken mehrere Faktoren zusammen, darunter Vererbung, Viruserkrankungen und Umweltfaktoren.
Moderne Therapie ermöglicht Kindern ein aktives Leben
Bestätigt sich ein Typ-1-Diabetes, benötigen Kinder eine spezialisierte medizinische Betreuung und eine lebenslange Insulintherapie. Moderne Hilfsmittel wie Glukosesensoren, Insulinpumpen und digitale Anwendungen können die Behandlung im Alltag unterstützen. Diabetes-Schulungen helfen Kindern und ihren Familien dabei, sicher mit der Erkrankung umzugehen.
Forschung für die psychische Gesundheit junger Menschen mit Diabetes
Auch Kinderärztin Dr.in Gabriele Berger beschäftigt sich intensiv mit der Versorgung junger Betroffener. 2026 wurde sie mit dem Forschungspreis der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ausgezeichnet.
Ihr Forschungsprojekt „SCREEN-the-Teen“ setzt eine speziell entwickelte App ein, um psychische Belastungen bei Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes frühzeitig zu erkennen. Die Ergebnisse stehen dem Behandlungsteam unmittelbar zur Verfügung. So soll bei Bedarf rasch zusätzliche Unterstützung eingeleitet werden können. Nach erfolgreicher Pilotphase soll das Projekt österreichweit ausgerollt werden.
Weitere Informationen zum Thema Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen gibt es unter www.oegk.at/kids zu finden.